Startseite
Unser Hafen
Mitgliedschaft
Führerschein
Reiseberichte
Fotogalerie
Historie
Freunde & Förderer
Termine

 



 

Km 687,5 LU Einfahrt zum Rheinauhafen Köln. Die Durchfahrtshöhe der Brücke ist 8,20 m minus Kölner Pegel.

  Kölner Pegel
Informationen zu Köln
Kontakt
Impressum

 

2. Etappe

vom 06.07.11 – 27.07.11 von Göteborg bis Stockholm
mit Adrian ( Kordula und Virry )

06.07.11 GÖTEBORG ‐ LILLA EDET SL 1 km 51
Mein Freund Adrian und ich sind gestern auf getrennten Wegen in Göteborg eingetroffen und haben den Tag gemächlich mit ein wenig Arbeit und Shoppen, sowie einem leckeren Gläschen Wein, ausklingen lassen. Das Wort Lilla finden wir sehr oft in Schweden ,deshalb suchen wir es im Wörterbuch und sind erstaunt, dass es einfach nur „ klein „ bedeutet. Nach einem gemütlichen Frühstück geht’s gegen 11.00 Uhr los. Bei mäßigen 6 – 7 Knoten fahren wir durch Natur pur. Erinnerungen an unsere Donaufahrt kommen wieder hoch. Doch zuerst fallen uns die seltsamen Fahrwasser Marken auf. Es sind große Betonklötze, oder auch Felsen, von denen lange Stangen beidseitig ins Wasser geführt werden. An den Enden der Stangen sind auf SB gelbe und auf BB weiße kleine Dächer montiert, die in der Nacht angestrahlt werden. Wir fragen uns, warum man eine so aufwendige Fahrbahnmarkierung macht. Bojen im Wasser mit einer Lampe drauf hätten es doch auch getan. Die Antwort kommt sehr schnell auf uns zugefahren. Wir staunen nur, welch große Schiffe hier auf dem Kanal Richtung Väner See unterwegs sind und bei der Höhe dieser Schiffe ist uns klar, warum man das so macht. Im Hafen Lilla Edet, der direkt hinter dem Schleusentor liegt, erleben wir die erste Unsportlichkeit.

Wir wollen an einem freien Steiger anlegen, stellen aber fest das die Wassertiefe nicht reicht. Ein zweiter Platz war zu eng, wir kommen dort nicht rein. Und als wir dann daran gehen, uns jemand fürs Päckchen zu suchen, sind all die Skipper, die uns vorher so nett zugeschaut haben, auf einmal verschwunden. Doch finden wir noch einen netten Schweizer, der uns seine Seite anbietet. Wie ein Wunder erleben wir nun, da wir ja jetzt einen Platz gefunden haben, die Auferstehung der vorher verschwundenen Köpfe. Zu meiner eigenen Schande muss ich feststellen, dass sie alle Deutsche waren, die“ wir “ zu jeder Zeit bei Platznot aufnehmen würden, c`est la vie .

 

07.07.11 LILLA EDET ‐ TROLLHÄTAN SL 4 km 22
Die Weiterfahrt im Trollhätan Kanal bringt uns heute mehrere Überraschungen. Die erste ist vor der Schleusentreppe von Trollhätan.
Ich traue meinen Augen nicht, da kommt doch tatsächlich die „ JUNO „
aus der Schleuse. Dieses einzigartige historische Passagierschiff von 1874, das wir schon so oft im Film vom Göta Kanal gesehen haben, fährt nun
ganz nah an uns vorbei. Wir sind begeistert. Die zweite Überraschung erfahren wir dann in der Schleusentreppe. Wir haben die erst Schleuse hinter uns, es öffnet sich nun das Tor zur Doppelschleuse, da kommen
uns in der Schleuse Schiffe entgegen.

Ich denk, ich sehe nicht richtig. Und die dritte Überraschung ist dann am Ende des Kanals.Wir haben schon im Voraus 8000 SK für den Göta Kanal bezahlt, das sind fast 1000 Euro, und dabei haben wir noch 800 gespart wegen der Vorauszahlung, und nun müssen wir doch tatsächlich hier auch noch mal 840 SK bezahlen. Jedoch wird das kassieren der Kanalgebühren taktisch klug gemacht. Man schickte uns ein junges blondes und blauäugiges Schweden – mädchen, wie kann man da noch schimpfen.

08.07.11 TROLLHÄTAN ‐ VÄNERSBORG SL 1 km 1
Mit seinen vielen Brücken, die erst alle geöffnet werden müssen, erreichen wir über den Trollhätte – Kanal Vänersborg. Auch hier, wie überall in Schweden, werden wir freundlich begrüsst. Vänersborg ist das Eingangstor zum Vänersee. Er ist zehnmal größer als der Bodensee. Hier einige Daten des Sees:

Fläche: 5648 km/2 ( Bodensee ca. 550 km/2)
Größte Tiefe: 106 m
Uferlänge: 2000 km
Anzahl Inseln u. Schären: 22.000
Höhe über dem Meeresspiegel: 44 m

Um den Vänern auf dem Landweg zu umrunden, muss man sage und schreibe 420 km zurücklegen. Der See versorgt über 700.000 Menschen mit Trinkwasser. Der Vänern stellt ein Drittel der gesamten Süsswasservorräte Schwedens dar.

 

Die gesamte Weltbevölkerung hat auf seiner Wasseroberfläche Platz.

Eigentlich wollen wir in Vänersborg zwei Tage bleiben, um uns die historische Altstadt noch anzusehen.
Jedoch ist es uns am nächsten Morgen nicht gelungen, etwas historisches zu finden und so beschließen wir, weiter zu fahren.

09.07.11 VÄNERSBORG ‐ DALBERGSAAN SL 0 km 31
Bevor wir den großen See überqueren (die kürzeste Strecke sind ca. 80 km) wollen wir zuerst noch in die Flussmündung des Dalbergsaan. Schon die Einfahrt ist durch viele Schären ( ganz glatte, abgerundete Felsen aus der Eiszeit ) versperrt und mit einer Betonnung, wie ich sie abenteuerlicher noch nie gesehen habe. Für einen Neuling, der das erste Mal Schweden bereist, heißt das volle Konzentration auf die Bojen, so, wie sie angeordnet sind, erst einmal zu sortieren und sich dann die Fahrrinne darin zu suchen. Anscheinend haben wir es richtig gemacht. Denn, als wir später gemütlich bei einem Glas Wein sitzen, können wir beobachten, wie sich zwei Schiffe an den gemeinen, kurz unter der Oberfläche liegenden Felsen, festfahren. Das wäre eigentlich kein Problem, hätte man nicht irgendwo in der Ferne eine Boje liegen, die mit diesen Felsen kaum in Verbindung gebracht werden können. Das war also unsere erste Bekanntschaft mit den engen Schären. ( die Göteborger Schären waren dagegen so groß wie eine Landepiste )

10.07.11 DALBERGSAAN ‐ MARIESTAD SL 0 km 79
Die kürzeste Strecke über den Vänern ist genau 79 km. Um in Mariestad für einige Tage einen guten Liegeplatz zu bekommen, sollte man am frühen Nachmittag dort eintreffen. Wir sind deswegen schon um 9.00 Uhr aus der Dalbergsaanmündung raus und befinden uns nicht auf einem See, sondern auf einem Meer. Es ist unglaublich groß. Wir haben zwei Möglichkeiten nach Mariestad zu kommen. Erstens, durch die Schären oder zweitens, die Schären nördlich zu umfahren. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden. Als wir uns dann auf der östlichen Schärenseite mit der ersten Variante wieder treffen, was sehen wir da, die „ JUNO „ sie fährt auf einmal in ihrer ganzen Schönheit neben uns her.

Wir freuen uns, ein paar tolle Filmaufnahmen von ihr zu machen. Als wir uns trennen, lässt der Kapitän das Nebelhorn für uns ertönen. Wirklich eine nette und für uns schöne Geste. Am Abend, in Mariestad, finden wir einen super Platz und sehen, wie hinter uns am Kai eine Band ihre Instrumente aufbaut. Wir erfahren, dass es ein Benefizkonzert für ein Kinderhilfswerk werden soll. Es kommen immer mehr Menschen um dem Treiben mit irrer, guter Oldymusik zuzusehen und zuhören. Und wir haben einen Logenplatz. Es war ein super Abend. So könnte es weitergehen. Wir beschließen, morgen auch noch hier liegen zu bleiben, um noch etwas von der Stadt zu sehen.

12.07.11 MARIESTAD ‐ SJÖTORP SL 1 km 21
Ganz gemütlich sind wir heute durch die Schären nach Sjötorp, der Beginn des historischen GÖTA – Kanals, gefahren. Um einen besseren Liegeplatz für die Nacht zu be‐ kommen, passieren wir bereits die Schleuse Nr. 1 und haben so von einer Erhöhung aus einen wunderbaren Überblick über Hafen und See. Die ganze Reise machen wir nur um diesen historischen Kanal selbst zu befahren. Man muss sich einmal vorstellen, dass über Jahrzehnte fast 50.000 Soldaten per Handarbeit diesen Kanal gebaut haben und nur deswegen,

damit die Schiffe ihrer Majestät von der Ostsee zur Nordsee gelangen können, um somit die dänischen Blockaden im Kattegat zu umfahren. Es fällt in der Geschichte der Schweden auf, dass sie immer wieder von Dänen angegriffen und gebietsweise erobert werden. Vor der Schleuse Nr. 1 müssen wir selbstverständlich erst im Kanalbüro einklarieren.

Wir haben ja bereits im Vorfeld über Internet unsere Gebühren von
8000 SK bezahlt und werden nun mit den nötigen Automatenkarten ausgestattet. Sie berechtigen zum kostenlosen Benutzen aller Hafenanlagen, Sanitäranlagen, Stromanschlüsse und , was sehr angenehm ist, auch in jedem Hafen Waschmaschinen und Trockner. Ob man dann
in der Ferienzeit das alles bekommt ist eine andere Frage. Unsere Erfahrung ist, dass es z.B. viel zu wenig Stromanschlüsse gibt.
Dann kommen am Abend die Spezialisten und hauen auf einem 6 Ampere Anschluss ihren Doppelstecker für vier Boote drauf, und was dann
passiert kann sich jeder vorstellen.

Und von diesen Unbelehrbaren haben wir eine Menge angetroffen. Auch wird die Benutzung der Waschmaschinen nicht gut organisiert, derjenige der die größte Ausdauer hat und an den Maschinen stehen bleibt hat für sich mehrere Maschinengänge und andere schauen dadurch in die Röhre. Hier ist noch Nacharbeit der Kanalgesellschaft gefragt. Auch sollte man im Sommer Hafenmeister zur Aufsicht einsetzen.

13.07.11 SJÖTORP ‐ TÖREBODA SL 18 km 19
Im Kanal kann man nur ganz bestimmte Strecken und Abschnitte befahren, weil es die Brücken und Schleusen sowie die vorgegebenen Häfen gar nicht anders zulassen. Somit haben wir uns für den ersten Tag Töreboda als Ziel vorgenommen. Das sind 19km und 18 Schleusen, aber fast alles Doppelschleusen. Hin und wieder auch mal eine dreier Treppe. Die Schleusen öffnen generell um 9.00 Uhr und schließen am Abend um 18.00 Uhr. Also sind wir bereits um 8.30 Uhr vor der Schleuse und um 9.00 Uhr winkt uns die Schleusenwärterin zum Einfahren.

Aber nur für 10 Sekunden, dann wird sie ganz nervös und wir müssen wieder zurück; warum, konnte man in der Schleuse Nr. 1 sehen, denn dort hat die DIANA , ein Schwesterschiff der JUNO, übernachtet und war nun auf dem Weg in unsere Schleuse Nr. 2. Und da steht sie nun und wird und wird nicht fertig . Es dauerte bis 10.30 Uhr, bis sie alles Ent‐ und wieder Beladen hat, mit dem was so ein Passagierschiff eben so braucht.

Wir wissen es ja, auf dem Götakanal braucht man Geduld, fast schon unendliche Geduld , er wird nicht umsonst der „ Scheidungskanal „ in Schweden genannt. Unsere wird sofort am Anfang auf eine harte Probe gestellt. Nicht nur das wir schon zwei Stunden hinter der Diana verbringen, müssen wir auch noch, nachdem wir nun endlich die Schleuse passiert haben, oberhalb fast eine Stunde warten, weil ein Ausflugsdampfer gleich ablegen soll. Sie sagte gleich. Meine Kalkulation sieht fürdiesen Morgen folgendermaßen aus:

Schleusenöffnung 9.00 Uhr
Abfahrt nach dem zweiten Dampfer 11.30 Uhr
Fahrzeit 2 Stunden und 30 Minuten
Fahrstrecke 100 Meter.

Der Hammer ist aber, dass wir 5 Minuten vor 18.00 Uhr im sicheren Hafen von Töreboda festmachen. Keine Ahnung, wie wir das geschafft haben, aber wir haben es geschafft. Der erste Gedanke, als wir im Kanal sind, ist: wir sind im Canal de l`est branche nord, außer dass es dort nicht so viele Schleusentreppen und Brücken mit nur 60 cm Höhe gibt.

14.07.11 TÖREBODA ‐ KARLSBORG SL 2 km 45
Wieder haben wir viele Brücken zu passieren und kommen hinter der Schleuse Tätorp an den Eingang zum Vikensee. Hier haben wir die Möglichkeit, unsere Turbos mal frei zu fahren . Dabei entging uns, dass wir bei der vorherigen Rumtuckerei die Heckfenster ja nicht richtig geschlossen hatten. Wir fahren nur ganze fünf Minuten mit 18 Knoten, aber die Arbeit, mein Bett und die Achterkabine wieder trocken zu bekommen, dauerte drei Tage. Solange musste ich mich mit der Couch im Salon begnügen. Auch hier, genau wie an allen anderen Seen, sind in KüstennaÅNhe die Schären doch sehr ausgeprägt und es gibt oft nur ganz enge Passagen. Aber erst in den Botten wird es wirklich eng. Auf der einen Seite sind die alten Traidelpfade und auf der anderen hier und da eine Boje. Teilweise können keine zwei Boote aneinander vorbeifahren. Die Fahrwasserbreite beträgt hier nur max. acht Meter. Am Ausgang der letzten Rechtskurve in der extrem schmalen Passage passiert genau das was eigentlich nicht sein sollte. Trotz meines lang anhaltenden Signaltons kommt uns in der Kurve ein Passagierschiff entgegen.

Entweder hat er nicht damit gerechnet, dass ein etwas größeres Schiff um die Ecke kommt, oder der Käpt`n war einfach taub auf seinen Ohren. Er hätte vor der Kurve zur Einfahrt warten müssen. Keiner von uns kann mehr zurück. Wir beide haben uns dann mit Bug‐ und Heckstrahlruder seitlich an die Felsen gedrückt, sodass wir uns langsam aneinander vorbei schieben konnten. Alles ist gut gegangen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. In Karlsborg angekommen, merken wir immer mehr, dass die Schweden Ferien haben. Die Schiffe werden immer zahlreicher. Und so kommt, was wir befürchtet haben, wir finden keinen Liegeplatz mehr. Päckchen hat man uns untersagt, um die Durchfahrt für die Passagierschiffe nicht zu behindern. Erst nach langem Suchen und Reden können wir uns im strömenden Regen unter einen Werftkran legen.

16.07.11
Wir machen einen faulen Liegetag, d.h. nur ich. Adrian
bekommt in seiner Kabine auf einmal das so genannte Putzsyndrom.
Warum nur, frage ich mich. Kann das mit der Ankunft seiner Freundin Kordula zu tun haben ? Ich habe es nie erfahren.

17.07.11
Wir holen uns einen Leihwagen um Kordula und Virry am
Flughafen von Nyköping abzuholen. Die Freude ist groß, denn zum
ersten Mal fahren zwei Frauen mit uns.

 

18.07.11
Heute machen wir einen Fraueneingewöhnungstag an Bord. Schließlich muss man die Gesetze an Bord erstmal kennen lernen.

 

19.07.11 MOTALA ‐ BORENSBERG SL 6 km 16
Nach einem königlichen Frühstück geht es endlich weiter. Um 9.00 Uhr fahren wir los. Nach einigen Regenschauern kommt auch wieder die Sonne durch, was natürlich für diejenigen, die beim Schleusen draußen stehen müssen, von Bedeutung ist. Kordula und Adrian bilden ein Schleusenteam und Virrry hilft mir am Heck und am Ruderstand. Wegen der schrägen Wände in den Schleusen, ist es nicht so einfach, die Leinen zu legen. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir zu viert sind . Aber alles hat prima geklappt. Es ist heute für unsere Neulinge eine gute Übung, denn es sollen ja noch große Schleusentreppen kommen. Ich muss sagen , es läuft bis jetzt im Scheidungskanal noch gut.

20.07.11 BORENSBERG ‐ BERG SL 9 km 21
Bei wunderbarem Wetter gehen wir in Richtung Berg weiter. Wir müssen acht Brücken und 4 Doppelschleusen passieren. Wir erleben an jeder Schleuse eine große Menschenmenge, die sich das Spektakel der Schleusungen mit Oma, Opa, Kind und Kegel anschauen. Es sind Ferien in Schweden und viele kommen nur, um sich dieses Treiben anzuschauen. Für uns sind die Schleusungen etwas anstrengender. Wegen der Breite und Länge meines Bootes passt immer nur ein kleines Boot an meine Seite. Da aber immer vier Boote zusammen geschleust werden , habe ich hinter mir noch zwei große Segler. Sehr oft haben wir bei dem starken Schwall des Wassereinlaufs Mühe, nicht mit den anderen Booten zu kollidieren. Doch dank der tatkräftigen Unterstützung unserer Frauen haben wir alles ohne Schaden überstanden. Nach dem Anlegen in dem sehr schönen Hafen von Berg, genau vor der bekannten 7er Schleusentreppe, haben wir uns auf der schönen Segelyacht von Cornelia und Volkmar aus Berlin zum Nachmittags EVENT eingefunden. ( Wie wir diese beiden kennen lernten, behalte ich besser für mich ) Doch haben wir an diesem Abend unsere beiden Dauernachbarn, Gerda und Günter, auch aus Berlin, mit ihrem etwas kleineren Segler,
( in den Schleusen passen sie wie angegossen an unsere Seite), aus den Augen verloren. Irgendwann werde ich sie zu den sympathischsten "Schleusennebenherfahrern" ernennen. So mit Urkunde und so. Zur Belohnung , weil es bis jetzt immer noch gut klappt, laden wir am Abend unsere Frauen zu einem ausgefallenen Dinner ein.

21.07.11 BERG ‐ NORSHOLM SL 8 km 30
Mit einer wirklichen Kuriosität beginnt unser heutiger Tag. Was ist geschehen ? Unsere Damen sind schon früh unter der Hafendusche um ihre Haare zu waschen, und ich gehe, um die Zeit zu Nutzen, mal zur Schleuse um abzufragen wann die nächste Öffnung ist ? ( Wie gesagt, wir standen vor der 7er Treppe ) Wir kennen bis hierher ja nur die Zeiten von 9.00 – 18.00 Uhr, aber hier geht der Betrieb schon um 8.00 Uhr los und zwar zuerst immer nach unten, also unsere Richtung, und danach so gegen 10.00 / 10.30 Uhr geht es Aufwärts. Das heißt also für uns, wenn wir jetzt nicht runter schleusen, kommen wir erst gegen Mittag hier weg. Die Schleuse steht noch offen und der Schleusenwärter gibt mir 10 Minuten zum Einfahren. Doch unsere Frauen stehen unter der Dusche , was tun ?
Nun kommt wieder mein ausgeprägtes Organisationstalent zum Tragen. Ich mache das Schiff klar, schicke Adrian zu den Duschen, unsere Frauen, so nass wie sie sind, zu holen und wir sind mit dem Boot und der gesamten Mannschaft in 12,7 Minuten in der Schleuse. Und jetzt kommt der Hammer!!!!!

Da wir alleine schleusen, sind wir in sage und schreibe 40 Minuten die siebenstufige Schleusentreppe runter. Ich bin sicher, wir halten damit mindestens den Europarekord und unsere Damen haben die Schleusenfeuertaufe mit Bravour bestanden. Unten angekommen servieren wir ihnen zum Dank ein Frühstück vom Allerfeinsten.

Wir haben nun alle Zeit der Welt und fahren, nach dem ausgiebigen Frühstück, gemütlich über den Roxensee, passieren am Ende des Sees die SL Norsholm und kommen ca. 13.00 Uhr im Hafen von „ KÄPTEN BILLE`S „ an. Hier am Kanal kennt ihn jeder. Uns war er durch den Film vom Götakanal bekannt, und so müssen wir natürlich seine weltberühmten Apfelstrudel probieren. Hier waren ganz besonders viele Besucher zu sehen. Es ist eine recht lustige Ecke. ( Im Übrigen geht’s mit unseren Frauen immer noch gut )

22.07.11 NORSHOLM ‐ SÖDERKÖPING SL 11 km 22
Auf den Kanälen ist eine Geschwindigkeit von sechs Knoten erlaubt, die auch von den Schleusenwärtern kontrolliert wird. Zum Schleusen hat sich, weil es fast immer die gleichen vier Boote sind, so eine Art Interessengemeinschaft gebildet. Also tuckere ich täglich mit meinen zwei Berlinern, und noch so einem Ausländer mit blaugelber Flagge von Brücke zu Brücke und von Schleuse zu Schleuse. Mit der Führungsarbeit wechsele ich mich des Öfteren mit der SY „ törn „ ab. Aber wenn es in den Hafen geht sind wir eine verschworene Gemeinschaft im Kampf um den Landstrom. Findet man keine leere Steckdose, so muss für jede Tasse Kaffe der Generator gestartet werden. In Söderköping, es war voll bis obenhin, können wir uns nur noch aufs Päckchen legen. Finden aber aus unerklärlichen Gründen etwas weiter weg noch eine leere Steckdose, was fast schon ein Wunder ist. Komme aber mit meinem Kabel nicht dran. Ich eile schnellen Schrittes zu unserem Boot, ohne die herrenlose Steckdose aus den Augen zu verlieren, und rufe Adrian zu, schnellstens mit der Kabelverlängerung zu kommen. Er kommt aber nicht, die Damen haben, weil sie damit nicht zurechtkommen, ihn eingespannt, um die Fenster aufzurollen . Na ja, wie soll ich das jetzt beschreiben. Sagen wir mal, es gibt eine kleine Meinungsverschiedenheit zwischen der Mannschaft und dem Kapitän. Da der jedoch nach § 1 immer recht hat, und § 2 sagt, wenn das mal nicht der Fall ist, automatisch § 1 wieder in Kraft tritt. O.K. lassen wir es dabei. Am Abend ist die Luft wieder rein und wir vier , sowie die vier Berliner, verabreden uns zum gemeinsamen Abendessen beim Spanier. Es ist der bisher lustigsten Abend mit feinem Essen, gutem Wein und spanischer Musik.

24.07.11 SÖDERKÖPING ‐ STEGEBORG SL 3 ‐ km 19
Ein gemütliches Frühstück ist bei uns ein absolutes „ MUSS „. Erst dann fahren wir die letzten drei Schleusen des Göta – Kanals. In MEM, also am Ende des historischen Kanals, wir müssen auf ein Passagierschiff warten, treffen wir noch unerwartet auf Gerda und Günter ( von der verschworene Gemeinschaft ) . Mem ist das Tor zum großen Fjord, der ins offene Meer führt. Ich denke, die anderen beiden Berliner sind längst mit vollen Segeln unterwegs. Doch in Stegeborg angekommen, sehen wir zuerst die CORVO wieder. Von wegen volle Segel, Volkmar hält sein Mittagsschläfchen. So müssen wir ohne ihn unser Event auf der Hafenbank feiern. Wir sind überglücklich, dem Scheidungskanal entronnen zu sein. Dafür, dass er uns nicht geschafft hat, stoßen wir mit einem guten Glas Prosecco auf unseren Sieg an.

25.07.11 STEGEBORG ‐ TROSA SL 0 ‐ km 110
Jetzt bekommen wir das Ostseewetter zu spüren. Nachdem sich Cornelia und Volkmar über Funk noch einmal in Richtung Süden verabschieden, bekommen wir Richtung Norden, also zur offenen See hin, einen ungemütlichen Wind von 5 Bft. mit Böen bis 6 Bft. vor die Nase, sodass, bei einem Meter Wellen, die ersten Crewmitglieder bereits über die Reling schauen. Zum Wind gesellt sich nun auch noch Regen. Und hier kommt wieder genau das zutage, was wir in Dänemark schon beanstandet haben. Diese dünnen Bojenstangen, dazu noch in einer Art und Weise aufgestellt, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann, sind einfach bei Regen nicht mehr auszumachen. Da wir uns den Schären nähern, stelle ich einen zweiten Mann zum Ausschau halten mit an den Steuerstand. Und prompt macht sich heute diese Angewohnheit , als reine Vorsichtsmaßnahme, im wahrsten Sinne des Wortes, bezahlt. Die Betonnung war so verrückt angebracht, das mich meine eigene Frau vor einem Felsen gerettet hat, der im direkten Fahrwasser nur ganz wenig überspült wurde und deshalb kaum zu sehen war. Die Boje dazu lag ca. fünfzig Meter auf BB. Es soll keine Entschuldigung sein, dass zwei meiner Freunde, so wie sie mir sagten, an der gleichen Stelle in derselben Situation waren. Einer von ihnen ist tatsächlich drauf gefahren. Eine einzige Boje mehr, um den Zwischenraum abzudecken, wäre genug, um diese Stelle zu entschärfen. Man könnte meinen, dass diese Schären nur für Einheimische sind, die jeden Stein hier kennen. Trotzdem, es ist und bleibt ein Erlebnis, durch diese Schärenlandschaft zu fahren. Ein wunderschön aussehendes Relikt aus der letzten Eiszeit. Anfangs haben wir zur Sicherheit die ganz engen Passagen umfahren, doch später können wir uns diesen nicht mehr entziehen, ein wunderbares Gefühl langsam dort durchzufahren.

26.07.11 TROSA ‐ SÖDERTÄLJE SL 0 km 48
Nach dem ruppigen Wetter von gestern, erleben wir heute die reinste Erholung. Wir genießen Wind, Meer und Sonne. Das Gefühl, durch diese Felsenlandschaft zu fahren, kann man gar nicht beschreiben. Einerseits ist das Ganze sehr imposant, aber andererseits hat man immer so ein mulmiges Gefühl, weil die Dinger so nah an einem vorbeiziehen. Doch kommen wir heute ohne Mühe in den Södertälje‐ Kanal, der abwechselnd einmal Kanal ist und dann geht’s wieder über einen See. Vor einer Engstelle fahre ich langsam zur Seite, um ein entgegenkommendes Seeschiff durchzulassen ( wir hätten da auch nicht mehr durchgepasst ), merke ich nicht, wie so ein Riese mir von Achtern auf die Pelle rückt. Doch bin ich baff, dass diese großen Seeschiffe hier im Binnenwasser fahren. Im Hafen von Södertälje telefonieren wir dann mit Stockholm, um einen Liegeplatz für die nächsten 10 Tage zu bekommen. Im Navishamn werden wir fündig und freuen uns schon auf Stockholm.

27.07.11 SÖDERTÄLJE ‐ STOCKHOLM SL 2 ‐ km 51
Der letzte Reisetag unseres zweiten Drittels der Mittsommernachtsreise mit Virry, Kordula und Adrian geht heute zu Ende. Doch genießen wir erst noch mal die wunderschönen Landschaften, die uns nach Stockholm hineinführen. Um ins Zentrum zu kommen, müssen wir erst noch die Hammerby Schleuse passieren und 180 SK Eintrittsgeld bezahlen. Aber dann sehen wir dieses phantastische Panorama von Stockholm vor uns. Wir sind so überwaÅNltigt, dass wir den falschen Hafen ansteuern. Also wieder raus und in den richtigen Hafen.

Dort angekommen haben wir, trotz Hilfe vom Hafenmeister, aus „ unerklärlichen Gründen „ Probleme mit den Muring Leinen. Der Hafenmeister wurde immer nervöser und wollte schon gehen, bis wir ihm versicherten, dass wir bald festliegen werden. ( Warum das Ganze, bleibt Adrians und mein Geheimnis ) Drei Tage bleiben wir noch gemeinsam in Stockholm, ehe wir den Rückflug antreten. Es ist wirklich eine wunderschöne Stadt. Alles, oder fast alles, was man besichtigen kann, haben wir uns angesehen. Ganz besonders gefällt uns eine Führung im Rathaus. Es ist für uns etwas Besonderes, dort zu stehen, wo ansonsten die jährlichen Friedensnobelpreise verliehen werden. Die Altstadt „GAMLA STAN„ und den daneben liegenden Königspalast muss man einfach gesehen haben. Ich könnte noch zehn Seiten über Stockholm schreiben, es ist unmöglich, alles wiederzugeben. Um das Ganze noch einmal in Ruhe zu genießen, habe ich natürlich, wie immer, schöne Filmaufnahmen gemacht, die ich, wenn sie dann bearbeitet sind, diesen Winter bei den verschiedenen Kölner Wassersportfreunden zur Unterhaltung und Information vorführen werde.

Hier lesen Sie den Bericht zur – Etappe 3

  KAMC  -  Kölner Autbord- und Motoryacht-Club e.V.
  An der Schanz 2
50735 Köln (Riehl)
Telefon: 0221 / 12 18 41
Telefax: 0221 / 12 46 15
E-Mail: info@kamc.de
Internet: www.kamc.de